F.A.Z.-Lügen über Falludscha


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Die Irak-Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist erbärmlich. Während andere internationale Zeitungen Korrespondeten vor Ort haben und informierte Journalisten schreiben lassen, konstruiert sich die F.A.Z. jeden Tag ihren eigenen Irak-Krieg. In den Frankfurter Büroräumen. Dann muss man es mit der Wahrheit auch nicht so genau nehmen.

Nehmen wir den heutigen Kommentar, Titel: Falludfcha, der uns erklären will, wieso es nötig ist eine Stadt zu zerstören, um sie zu demokratisieren. Da heißt es dann, als Erklärung für den Widerstand:

Eine Rebellenhochburg ist die Stadt aus vielerlei Gründen geworden: Viele Einwohner hatten Saddams Staat und dessen Sicherheitsapparaten gedient. Damit sind sie heute ohne Arbeit, und sie lehnen die neuen Machthaber ab.

Eine Lüge. Das Gegenteil ist richtig. Falludja hatte sich den Zorn Saddam Husseins zugezogen, weil die Imame der Stadt sich gweigert haben, den Tyrannen Saddam in den Freitagsgebeten in das Gebet einzubeziehen- dafür wurden die Einwohner von der Saddam-Diktatut hart bestraft. Der Widerstand war jedoch schon gegen Saddam erfolgreich: Die Stadt hat sich der Diktatur Saddams in den letzten Jahren effektiv seiner Macht entzogen, so z.B. der britische Guardian:

Perhaps they are unaware that Fallujans defied Saddam's rule during his last years in power. Falluja - known as the city of a thousand mosques - attracted Saddam's wrath in 1998 when its imams refused to hail the tyrant in their Friday sermons. Many were imprisoned, and the city punished as a result.

Natürlich erwähnt der ausführliche FAZ-Kommentar nicht mit einem einzigen Wort den wahren Auslöser für den Widerstand in Falludja: Das US-Massaker an der friedlichen Demonstration von Kindern und Eltern gegen die fortlaufende Besatzung ihrer Grundschule am 28 April 2003. 18 Demonstranten werden getötet- über 60 verletzt. Bis dahin wurde keine Patrone auf die US-Besatzer geschoßen- nicht in Falludja und nicht in irgendeiner Stadt nördlich von Bagdad.

Wenn man die realen Tatsachen verschweigen will, müssen natürlich andere Erklärungsmuster den Platz füllen- in erster Linie fällt hier den wenig originellen konservativen Journalisten stets der Mythos von den "ausländischen Extremisten" ein- und damit sind nicht die US-Truppen gemeint. So weiß die FAZ: "Kämpfen werden in Falludscha die ausländischen Extremisten". Bis heute wurden alle diese "ausländischen Extremisten" in Falludja von dem Abu Mussab al Zarqawi angeführt. Seine Festnahme war einer der offiziellen Gründe für die Erstürmung der Stadt. Nun, wie gesagt, bis heute. Denn plötzlich ist Zarqawi nicht mehr in Bagdad. Überascht hat das im Irak sicherlich niemanden- die Bewohner in Falludscha glauben, dass Zarquawi niemals da war. So heißt es in einem extrem lesenswerten Brief, den Repräsentanten der Stadt an den UN-Generalsekretär Kofi Annan geschrieben haben:

In Falludscha haben sie ein neues, vages Ziel erschaffen: Al Sarkawi. Das ist der neue Vorwand, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen, das Töten und das tägliche Bombardement von Zivilisten. Fast ein Jahr ist vergangen, seitdem sie diesen neuen Vorwand erfunden haben, und jedes Mal, wenn sie Häuser, Moscheen und Restaurants zerstören und Kinder und Frauen töten, sagen sie »Wir haben eine erfolgreiche Operation gegen Al Sarkawi durchgeführt.« Sie werden niemals sagen, daß sie ihn getötet haben, weil es eine solche Person nicht gibt. Und das bedeutet, daß das Töten von Zivilisten und der tägliche Genozid weitergehen werden.

Die Bevölkerung von Falludscha versichert Ihnen, daß diese Person, falls sie existiert, nicht in Falludscha ist und wahrscheinlich nirgendwo im Irak. Die Bevölkerung von Falludscha hat viele Male angekündigt, daß jede Person, die Al Sarkawi sieht, ihn töten würde. Es ist offensichtlich, daß dieser Mann nur eine hypothetische Figur ist, die von den Amerikanern erschaffen wurde.


Nach konservativen Schätzungen sind jetzt über 100 000 Iraker gestorben. Der Genozid in Falludscha wird diese Zahl weiter in die Höhe treiben. Vielleicht werden die US-Truppen Falludscha militärisch einnehmen, aber politisch gewinnen können sie nicht mehr. Das befürchtet sogar die FAZ. Im letzten Satz heißt es ungemein weitsichtig:

Um sie (die sunnitischen Stammesführer) zu gewinnen, bedarf es einer politischen Strategie.

Doch das ist genau der Kern des US-amerikanischen Problems. Die Sympathie einer Bevölkerung zu gewinnen, während man sie abschlachtet, dürfte sich als äußerst schwierig gestalten. Das hat der US-Imperialismus schon in Vietnam auf die harte Tour lernen müssen. Die Iraker werden sie daran erinnern.


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